Jeder 10. Sachse ist überschuldet

Sachsen liegt aber mit einer Schuldnerquote von 9,92 Prozent (jeder 10.) nach wie vor unter dem deutschen Durchschnitt (10,04 Prozent – jeder 10.)

Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist seit 2014 zum fünften Mal in Folge angestiegen. Die Überschuldungsquote bleibt nahezu konstant, da die Bevölkerung durch Zuwanderung und Migration nochmals leicht zugenommen hat. Zum Stichtag 1. Oktober 2018 wurde für Deutschland eine Überschuldungsquote von 10,04 Prozent gemessen. Damit sind weiterhin über 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Dies sind rund 19.000 Personen mehr als noch im letzten Jahr (+0,3 Prozent).

Die aktuellen Daten zur Überschuldungsintensität zeigen einen neuen Trend: Erstmals seit 2006 beruht der aktuelle Anstieg der Überschuldungszahlen ausschließlich auf einer Zunahme der Fälle mit geringer Überschuldungsintensität. Ihre Zahl nahm in den letzten zwölf Monaten um rund 106.000 Fälle zu (+3,9 Prozent), während die Zahl der Fälle mit juristischen Sachverhalten um rund 87.000 Fälle abnahm (-2,1 Prozent). Dieser Sachverhalt spiegelt sich sowohl in West- wie auch in Ostdeutschland. Weiterhin verbleiben rund 4,13 Millionen Menschen in Deutschland in einer dauerhaften Überschuldungsspirale (2006 / 2018: +735.000 Fälle; +22 Prozent).

Die Überschuldungsquote liegt aktuell in den neuen Bundesländern (10,40 Prozent, -0,02 Punkte, ohne Berlin) zum siebten Mal in Folge (wie auch bis 2008) über dem Vergleichswert im Westen (9,98 Prozent; +0,01 Punkte). Insgesamt sind in diesem Jahr im Westen rund 5,82 Millionen Personen als überschuldet zu betrachten, im Osten Deutschlands sind dies rund 1,11 Millionen Personen.

Allerdings: Der Grundtrend in Ost- und Westdeutschland hat sich umgekehrt: Die Zahl der Überschuldungsfälle geht im Osten zurück (-8.000 Fälle), im Westen steigt sie weiter an (+27.000 Fälle). Die entsprechenden Vergleichswerte zeigen, dass sich die Überschuldungsspirale im Westen weiterhin schneller dreht als im Osten. Sowohl in Ost wie in West ist die Zahl der Fälle mit hoher Über­schuldungsintensität zurückgegangen, die mit geringer Überschuldungsintensität ist angestiegen. Dabei ist der Rückgang der harten Überschuldung im Westen (-1,9 Prozent) schwächer ausgeprägt als im Osten (-2,9 Prozent). Und der Anstieg der weichen Überschuldung liegt im Westen (+4,1 Prozent) höher als im Osten (+2,9 Prozent).

Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Kurz: Die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.

Keine Verbesserung in Sachsen – jeder 10. überschuldet

In Sachsen bleiben im Vergleich zum Vorjahr der Erzgebirgskreis und Bautzen auf den ersten Plätzen –mit einer Schuldnerquote von 8,1 Prozent. Auf den Fuß folgt der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In diesen drei Kreisen ist nur jeder 12. verschuldet.

Das Schlusslicht in dem Ranking ist mit einer Quote von 13,2 Prozent die Stadt Leipzig – damit können rund 63.400 Personen in der Messestadt ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen. Mit einigem Abstand davor liegt Chemnitz mit einer Schuldnerquote von 11,8 Prozent – das heißt jeder 9. ist hier überschuldet. Anders als in diesen beiden sächsischen Großstädten stellt sich die Situation in Dresden dar. Hier liegt die Quote mit 9,3 Prozent sogar noch unter dem sächsischen und deutschen Durchschnitt – somit ist hier ist jeder 11. überschuldet. Rein rechnerisch haben sich die Schuldnerquoten in Leipzig und Dresden leicht verbessert. „Das sich die Quote verbessert liegt auch an der wirtschaftlichen Entwicklung, so ist u.a. die Arbeitslosenquote in den Städten Dresden und Leipzig  gesunken“, so Thomas Schulz, Prokurist von Creditreform Dresden Aumüller KG.

Überschuldung der Zukunft: alt und weiblich

In diesem Jahr können in Deutschland rund 7,65 Prozent der Frauen über 18 Jahre (2017: 7,61 Prozent) als überschuldet und zumindest nachhaltig zahlungsgestört gelten. Bei Männern sind dies aktuell 12,55 Prozent (2017: 12,59 Prozent). Die Zahl der Überschuldungsfälle nahm bei den Frauen weiter merklich zu (2,7 Millionen; +21.000 Fälle), bei den Männern nahm sie minimal ab (4,2 Millionen; -2.000 Fälle).

Das Thema „Altersüberschuldung“ hat weiter deutlich an Bedeutung gewonnen. 2018 müssen rund 263.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden (+69.000 Fälle; +35 Prozent). Die entsprechende Überschuldungsquote (2,04 Prozent; +0,54 Punkte) liegt weiterhin unter den Vergleichswerten der anderen Altersgruppen. Im Vergleich 2013 / 2018 ist der Anstieg mit 138 Prozent überdurchschnittlich, allerdings von vergleichsweise niedrigem Niveau. Im Gegensatz dazu ist die Überschuldungszahl und -quote in der jüngsten Altersgruppe in diesem Jahr weiter zurückgegangen. Die Überschuldungsquote beträgt hier 13,47 Prozent (-0,59 Punkte) – jeder 8. weißt somit eine Überschuldung auf. Weiterhin müssen rund 1,58 Millionen junge Menschen in Deutschland (unter 30 Jahre) als überschuldet eingestuft werden (-73.000 Fälle).

Für die „mittleren Schichten“ der Gesellschaft zeigt sich 2018 eine leicht positive Entwicklung. Die spezifische Überschuldungsquote in der „Mittelschicht“ hat zwar leicht zugenommen (11,02 Prozent; +0,03 Punkte), die Zahl der Überschuldung hat sich allerdings erstmals seit 2015 wieder verringert (4,34 Millionen; -40.000 Fälle). Die Zahl der Überschuldungsfälle in den „gehobenen Schichten“ (1,81 Millionen; +45.000 Fälle) hat in diesem Jahr ebenso wie in den „unteren Schichten“ (Prekäre: 0,78 Millionen; +14.000 Fälle) zugenommen.

Die Auslöser „Erkrankung, Sucht, Unfall“ sowie „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ gewinnen weiter an Bedeutung

Zugleich hat sich der Trend der Vorjahre bei den Überschuldungsauslösern Erkrankung, Sucht, Unfall (Anteil 2018: 16 Prozent; Abweichung 2008 / 2018: + 44 Prozent der Fälle) sowie unwirtschaftliche Haushaltsführung (Anteil 2018: 13 Prozent; Abweichung 2008 / 2017: + 32 Prozent der Fälle) verstärkt. Beide Ursachen verzeichnen merkliche Anstiege als Auslöser für Überschuldungsfälle. Dabei bildet insbesondere der Auslöser „unwirtschaftliche Haushaltsführung“, in vielen Fällen „schleichend“, den Einstieg in eine Überschuldung spirale und korreliert eher mit Fällen mit geringer Überschuldungsintensität. Zusammengenommen erklären beide Befunde den aktuellen Basistrend. Der Rückgang der Fälle mit hoher Überschuldungsintensität korrespondiert zudem mit dem seit Jahren andauernden Rückgang der Zahl der Privatinsolvenzen. Da sich der Rückgang der harten Überschuldung aber besonders bei jüngeren Verbrauchern abbildet, ist davon auszugehen, dass es diesen schneller gelingt, sich aus dem Überschuldungskarussell zu verabschieden. Umgekehrt gehörten gerade jüngere Verbraucher zu der Gruppe, die von „unwirtschaftlicher Haushaltsführung“ bzw. „unangemessenem Konsumverhalten“ betroffen sind.

Aussichten

Für die nahe Zukunft ist auch angesichts sich eintrübender konjunktureller Rahmenbedingungen nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der privaten Überschuldungslage in Deutschland zu rechnen. „Die weitere Entwicklung ist insbesondere von den Hauptüberschuldungsgründen, wie Krankheit und Trennung/ Scheidung abhängig. Eine besondere Risikogruppe sind Alleinerziehende“, so Thomas Schulz, Prokurist von Creditreform Dresden Aumüller KG.

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