Frauenbeteiligung am Gründungsgeschehen

Zum Gründungspanel von ZEW und IAB liefert Creditreform Daten. Einmal jährlich wird das Gründungsgeschehen untersucht und unter verschiedenen Aspekten bewertet. In diesem Jahr lag ein Fokus auf der Frage nach der Beteiligung von Frauen bei den unternehmerischen Gründungen. Untersucht wurden aber auch die Branchen und schließlich die Motive für die Selbstständigkeit bei Männern und Frauen.

Bei den Beschäftigten in Deutschland zeigt sich eine zunehmende Gleichberechtigung. Die Erwerbsquote (Anteil der Erwerbstätigen an der Altersgruppe der 15- bis unter 65-Jährigen) von Frauen steigt stetig an. Im Jahr 2016 waren knapp 71 Prozent der erwerbsfähigen Frauen in Deutschland erwerbstätig, das sind gut sieben Prozentpunkte weniger als bei den Männern. Noch im Jahr 1991 war der Abstand zwischen Frauen und Männern deutlich höher – er betrug 21 Prozentpunkte (Männer: 78 Prozent, Frauen: 57 Prozent; Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus). Im Jahr 2005 war die Differenz in der Erwerbsquote auf 13 Prozentpunkte zurückgegangen (Männer: 73 Prozent, Frauen: 60 Prozent) und die Frauenerwerbsquote hat sich seitdem weiter erhöht. In der aktuellen Erwerbstätigenstatistik des Statistischen Bundesamtes werden für 2016 rund 21 Mio. erwerbstätige Männer und 18 Mio. erwerbstätige Frauen gemeldet – die Erwerbsbeteiligung von Frauen beträgt also 47 Prozent.

Zu wenig weiblichen Unternehmer-Spirit?

Diese Entwicklung steht in krassem Gegensatz zur Entwicklung der Frauenbeteiligung am Gründungsgeschehen. Der Anteil von Unternehmen, an deren Gründung mindestens eine Gründerin – entweder allein oder im Team mit anderen Gründer(inne)n – beteiligt war, stagniert auf niedrigem Niveau bei zuletzt 23 Prozent, was nur einen geringen Anstieg seit 2005 (knapp 20 Prozent) bedeutet und nicht im entferntesten an die Entwicklung am Arbeitsmarkt anschließt. Betrachtet man Unternehmen, die ausschließlich von Frauen gegründet wurden, also die Summe aus Sologründungen und Gründungen von Frauen im Team, dann beträgt der Anteil von Frauen- an allen Gründungen im Jahr 2016 sogar nur 16,9 Prozent.

Wenig Neigung zur Technik

Die Beteiligung von Frauen am Gründungsgeschehen variiert stark zwischen den Wirtschaftszweigen. Frauen sind überdurchschnittlich häufig in den nicht-technologieorientierten Dienstleistungsbranchen und im Handel aktiv: 28 Prozent der jungen Unternehmen werden hier mit Frauenbeteiligung und 19 Prozent ausschließlich von Frauen gegründet. Im Produzierenden Gewerbe und in den technologieorientierten Dienstleistungsbranchen ist die Frauenbeteiligung deutlich geringer. Die niedrigsten Werte sind in der Branche „Technische Dienstleistungen & Software“ sowie im Baugewerbe auszumachen. Hier ist nur an einem von zehn Unternehmen eine Frau als Gründerin beteiligt – um reine Frauengründungen handelt es sich nur bei 5 bzw. 6 Prozent der jungen Unternehmen.

Frauen wollen selbstbestimmt arbeiten

Frauen und Männer unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Gründungsmotive und Unternehmensziele. Gefragt nach ihrem wichtigsten Gründungsmotiv geben 47 Prozent der Frauen an, sich in erster Linie selbstständig gemacht zu haben, um selbstbestimmt arbeiten zu können. Bei den Männern dominiert dieses Motiv zwar auch, der Anteil ist mit 41 Prozent aber geringer. Für 31 Prozent der Männer ist eine „konkrete Geschäftsidee“ ausschlaggebend für die Gründung gewesen. Diese sogenannten Chancengründungen sind auch in der Gruppe der Gründerinnen mit ähnlich hohem Anteil vertreten. Das drittwichtigste Motiv sind sowohl für Frauen als auch für Männer bessere Verdienstmöglichkeiten in ihrer selbstständigen Beschäftigung. Die Gründungsmotive korrespondieren sehr stark mit den Unternehmenszielen, die mit den Gründungsprojekten verfolgt werden. Dominant ist wiederum das Ziel, selbstbestimmt arbeiten zu können, das anteilsmäßig mehr Frauen als Männer als erstes nennen. Unternehmenswachstum streben nur 26 Prozent der Gründer und 20 Prozent der Gründerinnen vordergründig an. Frauen setzen etwas häufiger als Männer das Unternehmensziel „interessante Projekte verfolgen“ an die Spitze ihrer Rangliste (15 versus 12 Prozent).

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