Leichte Eintrübung zum Herbst

Andere Forschungsinstitute sprachen im Hinblick auf die Konjunktur nach dem Sommer 2018 noch von einem goldenen Herbst. Da war die Eilmeldung des Statistischen Bundesamtes vom 14.11.18 dann doch eine Überraschung. Das deutsche Wirtschaftswachstum sei ins Stocken geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im dritten Quartal 2018 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,2 Prozent niedriger als im zweiten Quartal 2018. Das sei der erste Rückgang im Vergleich zum Vorquartal seit dem ersten Quartal 2015. In der ersten Jahreshälfte 2018 war das BIP gestiegen – und zwar um 0,5 Prozent im zweiten und 0,4 Prozent im ersten Quartal, so die Statistiker aus Wiesbaden. Die Creditreform Wirtschaftsforschung nahm in ihrer Mittelstandsbefragung dieses Ergebnis schon vorweg.

Der Mittelstand weiß mehr

Die Creditreform Wirtschaftsforschung befragt seit Jahrzehnten den Mittelstand in Deutschland und in Österreich. Der Mittelstand wird zu Recht das „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ genannt. Wer gehört zum Mittelstand? Creditreform schließt sich der überwiegenden wissenschaftlichen Lehre an, die eine Definition des Mittelstandes auf die Mitarbeiterzahl abstellt (nicht mehr als 500 Beschäftigte) und eine Umsatzgröße von nicht mehr als 50 Mio. Euro zulässt. Nach unten gibt es keine Begrenzung, gerade die Einbeziehung von Mikrobetrieben ist wichtig. Entscheidend für die Definition kleiner und mittlerer Unternehmen ist darüber hinaus die „Personaleinheit“ von Geschäftsführer und Inhaber. Bei der Selektion der für die Umfrage repräsentativen Unternehmen wurde auf dieses Merkmal geachtet. Weiterhin wurde darauf geachtet, dass keine Tochterunternehmen von Großunternehmen erscheinen. Umfrage und Analyse der Ergebnisse werden zeitnah und schnell durchgeführt, um ein hohes Maß an Aktualität zu gewährleisten. So konnten die Ergebnisse schon am 04.10.18 veröffentlicht werden.

Am Puls des aktuellen Geschehens

Diese Aktualität und die Nähe zum entscheidenden Mittelstand sorgten dafür, dass die offizielle Meldung zum BIP wenig überraschend kam. Der Creditreform Geschäftsklimaindex, als Indikator für die Stimmungslage im Mittelstand, zeigte im Herbst 2018 eine leichte Abschwächung. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich der Indexwert von 30,9 auf 27,6 Punkte. Der Creditreform Geschäftsklimaindex errechnet sich aus den Antworten der befragten Mittelständler zu Auftragseingängen, den Umsätzen, der Ertragslage und der Personalsituation. Diese entscheidenden Größen werden hinsichtlich der aktuellen Lage und der Erwartung für die Zukunft unterteilt.

Die Abschwächung des Creditreform Geschäftsklimaindex vollzieht sich in beiden Teilkomponenten. So verringerten sich die Lagebeurteilungen der Unternehmen von 30,9 auf 27,9 Punkte. Das ist aber weiterhin der zweithöchste Wert der letzten zehn Jahre. Auch die Geschäftserwartungen bleiben im Grunde sehr positiv, sind aber auf Jahresfrist leicht von 30,9 auf 27,3 Punkte gefallen. Ursache für die Eintrübung könnten u. a. die Außenhandelsstreitigkeiten zwischen der Europäischen Union (EU) und den USA sein. Zudem droht mit der Türkei ein wichtiger Handelspartner Deutschlands in eine Wirtschaftskrise zu geraten. Falls die deutschen Exporte gebremst werden, dürfte die Wirtschaftsentwicklung insgesamt in Mitleidenschaft gezogen werden. Hinzu kommen die Engpässe bei den Kapazitäten, speziell beim Fachpersonal. In den kommenden Monaten dürfte die Wirtschaftsentwicklung demnach etwas moderater verlaufen.

Klimawandel oder nur ein wenig Herbstnebel?

Auftrags- und Umsatzlage im Mittelstand sind gleichwohl weiterhin sehr positiv. 37,0 Prozent der von Creditreform befragten Unternehmen berichteten von gestiegenen Auftragseingängen, 42,4 Prozent erzielten Umsatzzuwächse. Auch wenn im Vorjahr (teilweise) noch etwas höhere Werte gemessen wurden, sind das im Vergleich der letzten Jahre erneut sehr positive Rückmeldungen aus dem Mittelstand. Insbesondere die Bauwirtschaft boomt.

Deutlichere Einschnitte gab es aber offenbar im Verarbeitenden Gewerbe. Die Auftragslage wurde von den Unternehmen deutlich schwächer eingeschätzt als im Vorjahr und auch in der Umsatzentwicklung zeigten sich erste Abnutzungserscheinungen.

Der Personalbedarf der Unternehmen ist weiterhin hoch. 30,8 Prozent der Befragten haben im Verlauf der letzten sechs Monate die Belegschaft aufgestockt (Vorjahr: 34,6 Prozent). Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels konnten viele Unternehmen demnach zusätzliche Potenziale aktivieren. Knapp jedes zehnte Unternehmen (9,7 Prozent) verkleinerte zuletzt den Personalbestand.

Die aktuelle Ertragslage wurde von den befragten Unternehmen positiv eingeschätzt. Gegenüber dem Vorjahr gab es allerdings keine Verbesserungen mehr und auch der Ausblick ist verhaltener geworden. Ein Wermutstropfen ist die chronische Ertragsschwäche im Handel.

Die Zukunft wird entscheiden, ob es sich bei den Angaben der Mittelständler und auch bei der Berechnung des aktuellen BIP nur um eine Delle in einem ansonsten stabilen wirtschaftlichen Umfeld handelt oder ob hier bereits die Vorboten eines kommenden gesamtökonomischen Rückgangs sichtbar werden. In Deutschland bewegen wir uns noch auf hohem Niveau.

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