Creditreform Dresden - Für Sie vor Ort
Creditreform Dresden - Für Sie vor Ort
Zurück
  RSS-Feed 

CrefoINFO - Zahlungsverhalten in Europa

Deutschland ist nicht nur im Hinblick auf die Konjunktur in Europa führend. Auch die Finanzierungssituation - insbesondere der kleinen und mittelständischen Unternehmen - hebt sich im Kontext der europäischen Unternehmen positiv ab.

Für die deutschen, mittelständischen Exporteure erschwert sich die Liquiditätssituation allerdings beim Überschreiten der Grenzen. Nach Aussage der Deutschen Bank liefern mehr als 70 Prozent der mittelständischen Exporteure in Westeuropa auf Rechnung. Der entsprechende Material- und Geldfluss wird in Zukunft wohl über Blockchain-Technologien vereinfacht werden - im Moment aber überwachen Computer noch nicht die Bewegungen von Waren und Dienstleistungen und die entsprechende zeitgerechte Bezahlung.

Laufzeiten verbessert

Auf der Basis von Bilanzen europäischer Unternehmen hat die Creditreform Wirtschaftsforschung die Forderungslaufzeiten der wichtigsten Akteure im europäischen Export untersucht. Aktuell für das Jahr 2016 schneidet Deutschland, wenn es um die Rechnungsbegleichung geht, unter den westeuropäischen Ländern am besten ab. Mit einem medianen Durchschnitt von 26 Tagen liegt man weit vor den nachfolgenden Ländern Österreich und Schweiz mit 31 Tagen, wie auch den skandinavischen Ländern mit durchschnittlich 33 Tagen. Während die Beneluxstaaten (52 Tage) mit Großbritannien (41 Tage) und Frankreich (54 Tage) im Mittelfeld agieren, zeigt Italien die schlechtesten Werte mit durchschnittlich 94 Tagen Forderungslaufzeit. Anzumerken ist, dass sich die Forderungslaufzeiten in Westeuropa seit dem Beginn der Dekade in fast allen Ländern verbessert haben. So betrugen sie selbst in Italien 2010 noch 106 Tage, in Skandinavien noch 36 Tage und selbst in Deutschland - auch damals schon führend - noch 29 Tage.

Gefährdete Banken

Es bleibt dabei: Lange Forderungslaufzeiten sind ein Indiz für drohende Forderungsausfälle. Forderungsausfälle nicht nur bei den dargestellten mittelständischen Lieferanten, sondern auch für die Banken in Europa. Entsprechend hat die EZB-Bankenaufsicht reagiert. Die Banken im Euro-Raum sollen für ihre ausfallgefährdeten Kredite höhere Vorsorgen schaffen als bisher. Die EZB gibt an, dass ab dem 1. Januar 2018 die Banken die als notleidend eingestuften Kredite stärker absichern müssen. Die neuen Regelungen beziehen sich allerdings nicht auf die Alt-Kredite, sondern nur auf die neuen Darlehen, die ab dem nächsten Jahr aufgenommen werden. Es heißt, dass sich viele Banken wegen der hohen Altlasten keine neuen Kredite leisten können. Dies gilt vor allem für die Institute in Italien, Griechenland und Portugal, deren Bilanzen einen Impuls für neue Unternehmenskredite kaum zulassen.

Faule Kredite haben nach Angaben der EZB und der mehr als 100 von ihr beaufsichtigten Banken eine Gesamtsumme im ersten Quartal 2017 von 865 Milliarden Euro erreicht. Immerhin ist dies gegenüber dem Vorjahr ein Fortschritt: Damals waren es noch 950 Milliarden Euro.

Wie stark die Verschuldung einer Volkswirtschaft schaden kann, zeigen die Verhältnisse in Frankreich. Dort hat die Verschuldung des Privatsektors - also der Haushalte und Unternehmen - 2016 um 6 Prozent zugenommen und erreichte damit 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - europäischer Rekord. Französische Unternehmen setzen stark auf eine externe Finanzierung und haben in der Summe eine Verschuldung von 72 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorzuweisen. Das sind 750 Milliarden Euro mehr als vor zehn Jahren.

Billige Kredite treiben Verschuldung

Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung ist die Niedrigzinspolitik der EZB. Während sich in anderen europäischen Ländern die geringen Zinsen für die Unternehmen kaum in höheren Investitionen auszahlen, nutzt Frankreich die aktuell günstige Finanzierungssituation vor allem für Übernahmen und Fusionen. Wie eng die Finanzierungssituation für französische Unternehmen aber durch die hohe Verschuldung geworden ist, zeigt nicht zuletzt die Entwicklung der Forderungslaufzeiten. Während, wie dargestellt, die meisten europäischen Länder mehrtägige Verbesserungen in den letzten sechs Jahren erreichen konnten, hat sich in Frankreich das Zahlungsverhalten nur um einen Tag von 55 (2010) auf 54 Tage (2016) verbessert. Auch wenn die Zahl der notleidenden Kredite in Italien oder in Griechenland noch mehr zu schaffen machen, zeigt das Beispiel Frankreich doch den engen Zusammenhang von Problemen bei der Rückzahlung der Bankfinanzierungen und den Forderungslaufzeiten und damit der Begleichung der Rechnung von Lieferanten und Dienstleistern im Zeichen hoher Verschuldung.

Immer auf dem laufenden bleiben

Verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten von CrefoINFO und abbonieren Sie unser monatliches Newsletter.

Jetzt abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

Creditreform Rating erschließt mit Länderratings einen neuen Geschäftsbereich

Im Rahmen der Sovereign Ratings beurteilen die Analysten von Creditreform Rating die Fähigkeit und Bereitschaft eines Staates, seine finanziellen Verbindlichkeiten vollständig und fristgerecht zu begleichen.

Insolvenzen gehören zur Marktwirtschaft

Wie staatliche Einflussnahme die Zahl der Insolvenzen verändern kann, zeigen die Beispiele der Türkei und Russlands. Die positive Entwicklung 2016 bei den Insolvenzen kaschiert die tatsächlichen Verhältnisse.

Mehr Mut zur Insolvenz

Die Ideen der EU für eine Sanierung außerhalb der Insolvenz eröffnen kriselnden Unternehmen Perspektiven - lösen aber nicht alle Probleme. Eine Bestandsaufnahme.

Was wird aus der Limited?

In den Darstellungen und Kritiken zum Brexit werden meist nur die großen Perspektiven aufgezeichnet - Dabei hat die Lösung der Insel vom europäischen Festland auch kleinere, für Betroffene aber wichtige Folgen, die noch gar nicht abzusehen sind und für deren Lösung noch keine Ansätze bestehen. Eine dieser Fragen ist die nach der Zukunft der ltd, der Limited, einer "kleinen GmbH", die in den letzten Jahren für viele deutsche Gründer attraktiv war.

Italiens Banken geraten in Schieflage - ein Warnsignal auch für deutsche Exporteure

Europa kommt aus dem Krisenmodus nicht heraus. Kaum hat man die Nachricht aus Großbritannien zum Brexit zur Kenntnis nehmen müssen, da kommen die nächsten Hiobsbotschaften aus Italien.

Brexit: Wie Steht es um die Bonität meines britischen Geschäftspartners?

Das Vereinigte Königreich steht auf Platz fünf der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Welche Auswirkungen hat "Brexit" in Deutschland?

Insolvenzen: Entspannung, aber keine Entwarnung

Dank der guten Konjunktur sind 2015 in Europa erneut weniger Unternehmen in die Insolvenz geraten. Aber noch immer ist die Zahl der Pleiten in vielen Ländern sehr viel höher als vor Ausbruch der Finanzkrise.

Westeuropas Firmeninsolvenzen nehmen ab

Insolvenzen in unseren Nachbarländern sind keine abstrakte volkswirtschaftliche Größe. Gerade für mittelständische Exportunternehmen, die nicht mit eigenen Produktions- oder Vertriebsstützpunkten im europäischen Ausland vertreten sind, ist es entscheidend zu wissen, wie sich die Risikosituation in der Zusammenarbeit mit Unternehmen jenseits der deutschen Grenze darstellt.

Unternehmensinsolvenzen in Europa, Jahr 2014/15

Deutliche Entspannung in Westeuropa - Osteuropa im Schatten der Ukraine-Krise! Erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa deutlich gesunken.

nach oben
Startseite Impressum Über uns Anfahrt Sitemap Presse
(c) Creditreform Dresden | Augsburger Str. 3 | D-01309 Dresden
Tel: +49 351 4444-444 | Fax: +49 351 4444-555 | E-Mail: info@dresden.creditreform.de